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Best of Musical
nicht überzeugend ...!
Best of Musical 30.01.2010
In Hamburg startete am 29.01. die diesjährige Best of Musical-Tournee. Ich besuchte die Show in der Color-Line-Arena am 30.01. und war zunächst einmal überrascht über die Infrastruktur in Hamburg. Am Bahnhof Stellingen, wo die Shuttlebusse zur Color-Line-Arena abfuhren – lange Schlangen wartender (frierender) Menschen, eine schlechte Koordination der Shuttlebusse durch das zuständige Busunternehmen. Noch viel schlimmer als vorher war es jedoch nach der Veranstaltung, wo man seitens des Busunternehmens nicht in der Lage war die diesmal bereitstehenden (leeren) Busse zu füllen, weil man an der Bushaltestelle nur eine (!) Schranke für hunderte Wartende als Durchlass öffnete. Peinlich! Doch dies nur am Rande. Nun zur Show…
Das Konzept der Show verzichtete auf jegliches Bühnenbild (außer dem Marterpfahl für den „Schuh des Manitu“) und bediente sich nur ganz weniger Requisiten. Es gab keine besonderen Effekte, dafür schöne, bunte Kostüme, dazu eine langweilige Showtreppe, die in wechselndes Licht getaucht wurde. Sogar der Vorhang wurde, wie alle anderen Hintergründe, per Videoprojektion eingespielt.
Ich erinnere mich an andere Best of Musical-Tourneen, wo ganze Säulen eines ägyptischen Palastes aus der Hallendecke kamen, wo das Phantom der Oper im Nebel in seiner Barke über die Bühne fuhr oder wo im ganzen Saal Vögel aus dem „König der Löwen“ umherflogen. Diesmal waren es auch ein paar, jedoch nur sehr wenige, die man noch dazu so schwang, dass man sie schließlich ineinander verhedderte, was nicht sehr professionell wirkte. Warum war die Inszenierung in diesem Jahr in dieser Hinsicht so phantasielos? Sicherlich aus Kostengründen. Diese mögen auch dazu geführt haben, dass das Gesangs- und Tanzensemble diesmal um etwa die Hälfte reduziert war, verglichen mit früheren Shows.
Es gefiel mir auch nicht, dass die dargebotenen Stücke einfach nur wahllos aneinandergereiht wurden. Was waren das für Zeiten als ein Uwe Kröger noch durch das Programm führte und dem Zuschauer Informationen zum jeweiligen Musical gab. Ganz abgesehen davon, dass eine solche Conference, zusätzlich gespickt mit einem Witz oder einer Anekdote, die Sache auch ungemein auflockert.
Die Hauptdarsteller sind allesamt Hochkaräter, jedoch blieben sie zuweilen etwas hinter ihren Möglichkeiten, um es einmal sportlich auszudrücken. Die „Sternchen“ des Abends waren für mich Willemijn Verkaik und Mark Seibert, die von ihrem Können noch am meisten darboten. Der „Fleiß-Preis“ gebührt Elisabeth Hübert, die tanzte, hüpfte, sang und strahlte als ginge es um ihr Leben. David-Michael Johnson (DMJ), welcher am Anfang und am Ender der Show eine kürzere Textpassage zu bewältigen hatte, konnte man aufgrund seines starken Akzents kaum verstehen. Pia Douwes, die unumstrittene „Königin“ des Musicals, war souverän wie immer, auch schauspielerisch, doch wenn Sie sehr laut und kraftvoll, dazu sehr hoch sang, erschien sie mir zu schrill. Ich mag an ihr die leisen Töne mehr. Anton Zetterholm wird in Hamburg als „amtierender“ Tarzan sehr geliebt. Zu Recht, jedoch ihn Buddy Holly singen zu lassen, war eine krasse Fehlbesetzung. Die Massen bewegen - die Bühne rocken – das kann der sanfte Anton nicht. Das gelang allenfalls Patrick Stanke als „Big Bopper“. Zu Ana Milva Gomes kann ich nur sagen - sie war stimmgewaltig wie immer, aber auch bei Ihren Interpretationen sprang der Funke, außer beim Song aus „Sister Act“, nicht wirklich über.
Die Auswahl der dargebotenen Musicals war üppig, jedoch ein wenig fragwürdig. Den sehr erfolgreich in Oberhausen und Stuttgart gastierenden „Tanz der Vampire“ ließ man gleich ganz weg zugunsten der nun wirklich zu oft gehörten, angestaubten „West Side Story". Schön fand ich allerdings den „Sunset Boulevard“-Block von Pia Douwes und Mark Seibert intoniert. Ganz grässlich war für mich „We will rock you“. Es wurde sich laut angeschrien und dazu mit den Füßen gestampft, um es einmal salopp zu formulieren. Auch die Kostüme dieses Musicals fand ich scheußlich. Wer dieses Stück, noch dazu seine banale Geschichte, 3 Stunden lang aushält, dem gebührt meine absolute Hochachtung für diese Selbstkasteiung.
Die neuen Musicals „Sister Act“ und „Hinterm Horizont“ präsentierte man im geringst möglichen Ansatz mit je einem Song. „Sister Act“ auf Englisch (scheinbar gibt es noch keine deutsche Übersetzung). „Hinterm Horizont“ sangen die Hauptdarsteller, um das von Partick Stanke gespielte Klavier drapiert, alle gemeinsam.
Alles in allem fand ich den Abend nicht überzeugend. Gestört hat mich außerdem die „Kino-Atmosphäre“ in der Color-Line-Arena. Getränke und Popcorn kann man in der Pause zu sich nehmen, aber nicht während einer Musicalvorstellung. Die Zuschauer waren wohl kein musicalerfahrenes Publikum, sehr gemischt, jedoch im Durchschnitt eher etwas älter. Auch war die Color-Line-Arena, die riesig ist, höchstens zu etwa zwei Dritteln gefüllt. Ich hatte den Eindruck als käme in so einer großen Halle keine rechte Stimmung auf.
Alles Geschriebene ist natürlich meine ganz persönliche Meinung und selbstverständlich reine Geschmacksache. Möge sich jeder selbst ein Bild machen…
