Ich gehör nur mir

war grandios

„Ich gehör nur mir" Essen 24.05.2010

Das Konzert „Ich gehör nur mir“, welches am 24.05. im Essener Grillo-Theater stattfand, war grandios. Es hob sich deutlich ab von anderen Musical Konzerten, da es liedtechnisch keinen Querschnitt durch die Musicalwelt bot, wie sonst üblich. Es wurden stattdessen nur Werke von Sylvester Levay und Michael Kunze vorgetragen. So wurde bei diesem Konzert eine Vielzahl von Stücken gesungen, die man sonst in einem Musical Konzert nie hören würde. Den zwei erfolgreichsten Musicals von Sylvester Levay und Michael Kunze – „Elisabeth“ und „Mozart“ – wurde je ein großer Block des ersten und zweiten Teils des Konzerts gewidmet. Beide Stücke wurden durch die Liedauswahl handlungsgetreu, quasi in einer Kurzform, dem Publikum dargebracht. Die musikalischen Teile wurden durch erklärende Textpassagen, welche von zwei tollen Nachwuchskünstlern vorgetragen wurden, miteinander verbunden. So erhielt man einen wirklichen guten Eindruck dieser beiden Musicals und Ihrer zu Grunde liegenden Geschichte.
Die beiden neueren Werke Sylvester Levays und Michael Kunzes – „Rebecca“ und „Marie Antoinette“ – wurden jeweils in zwei kleineren Blöcken des Konzerts nur durch Ihre Lieder, sozusagen als musikalisches Potpourri vorgestellt. Für das Musical „Rebecca“, welches vor kurzem seine Uraufführung in Budapest hatte und ab dem Winter in St. Gallen zu sehen sein wird, haben die „Macher“ ein schönes, neues Lied komponiert: „Zauberhaft natürlich“. Dieses wurde von „Prince Charming“, Patrick Stanke, wunderbar melancholisch vorgetragen.
Die Protagonisten des Abends: Kristin Hölck, Sabrina Weckerlin, Patrick Stanke, Ethan Freeman und Jan Ammann waren allesamt großartig. Ich möchte keinen besonders hervorheben, denn ihre Leistungen waren auf sehr hohem Niveau absolut auf Augenhöhe. Jeder präsentierte sich in seiner Paraderolle, sofern der jeweilige Künstler im jeweiligen Musical schon einmal mitgewirkt hatte. So zum Beispiel Kristin Hölck als Elisabeth, Ethan Freeman als Lucheni, Patrick Stanke als Mozart und Sabrina Weckerlin als Magrid Arnaud. Alle haben diese Rollen in hunderten von Vorstellungen gespielt, sie kreiert und stark geprägt. Man merkte deutlich, wie sehr Sie diese Rollen leben (und lieben). Es war wunderbar ihnen zuzuhören und zuzusehen.
Ein bisschen schwerer hatte es Jan Ammann an diesem Abend, der allesamt Rollen übernahm, die er im jeweiligen Musical noch nicht gespielt hatte. Er tat dies jedoch mit Bravour und verkörperte beispielsweise einen, sich der Wirkung Seines Aussehens sehr bewussten, unglaublich verführerischen Tod. Jan Ammann in der Rolle des Todes in „Elisabeth“ wäre aus meiner Sicht eine absolute Traumbesetzung, falls das Musical in Zukunft noch einmal irgendwo aufgeführt werden würde.
Was mir an Jan Ammann an diesem Abend auffiel, war sein Gang. Er schritt majestätisch während des ganzen Konzerts über die Bühne bzw. durch den Zuschauerraum - wie Graf von Krolock persönlich. Ist diese Rolle bei ihm so in Fleisch und Blut übergegangen? Oder ist das SEIN Gang? Zugegebenermaßen hat es aber sehr gut gepasst zu seiner Darstellung des Todes oder auch des Maxim de Winter sowie des Fürsterzbischofs Colloredo. Es war klasse ihn einmal in all diesen verschiedenen, neuen Rollen erleben zu können, da er sonst oft nur auf den Grafen von Krolock und den König Ludwig abonniert ist, was solche Musical Konzerte anbelangt.
Besonders großartig waren außerdem zwei Nachwuchskünstler: Annika Firley und Sascha Kurth, die in die Rollen von Nannerl und Kronprinz Rudolf schlüpften sowie bei den Blöcken von „Elisabeth“ und „Mozart“ jeweils den Erzähler gaben.
Auch toll war der Chor „Ruhrpottpourie“, der, wenn er auftrat, im engen Zuschauerraum seinen Platz finden musste und Chorsequenzen wie zum Beispiel beim Song „Milch“ aus dem Musical „Elisabeth“ zum Besten gab.
Alles in allem war es ein sehr lohnenswerter Abend mit tollen Künstlern. Damit meine ich sowohl die Hauptakteure als auch die Nebendarsteller.
Sabrina Weckerlin und Kristin Hölck haben Wahnsinnsstimmen, Patrick Stanke ist ein Alleskönner, Ethan Freeman ein absoluter Profi und Jan Ammann ist der Beau, der schon ohne zu singen, die Zuschauer in seinen Bann zieht.
Annika Firley und Sascha Kurth werden in Zukunft einen erfolgreichen Weg beschreiten. Da bin ich sicher.
Auch Marina Kommisartchik, die Pianistin, die diesen Abend wie ein großes Orchester nur mit ihrem Flügel begleitete, war absolute Spitze.
Das Konzept des Konzerts von Andreas Luketa ist einmalig und ich wünsche mir noch ganz viele solcher Konzerte. Mich würde ein Abend mit Liedern aus Frank-Wildhorn-Musicals besonders freuen, bitte mit Drew Sarich als Darsteller.

 

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