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Sommernacht des Musicals Dinslaken
Meister ihres Fachs
Sommernacht des Musicals Dinslaken 14.08.2010
Mit von der Partie waren in diesem Jahr Soulsister Ana Milva Gomes, The Voice Sabrina Weckerlin, Sweetheart Lucy Scherer, der immer wieder Großartige Uwe Kröger, der Vielseitige Patrick Stanke und das Energiebündel Serkan Kaya, welcher nicht nur selbst sang, sondern auch sehr gekonnt und pointiert durch Abend führte.
Da ich zum ersten Mal in Dinslaken war, wusste ich nicht, dass man, bevor die Musicaldarsteller auftreten, mit einem etwa 30-minütigen Vorprogramm „gequält“ wird. Es gehörte zwei schlechtgekleideten Damen mittleren Alters, die in karnevalistischer Manier einige lauwarme Songs und alte Witze zum Besten gaben. Dies kam mir äußerst fragwürdig vor. Genauso befremdlich fand ich die zu zahlreichen Auftritte des Verantwortlichen des Festivals, Thomas Bauchrowitz. Sein absolut lobenswertes Engagement für dieses Festival in allen Ehren, aber EIN Erscheinen on stage in Form einer Begrüßung vor der Veranstaltung hätte meiner Meinung nach genügt.
Das Burgtheater war an diesem Abend bis auf den letzten (Steh-) Platz gefüllt. Es fasst etwa 1200 Besucher, für die es weder ausreichend Parkplätze, noch (und das war viel schlimmer) ausreichend Toiletten gab. Auch das gastronomische Angebot ließ sich nur nach einiger Wartezeit nutzen. Und wieder einmal wurde während der Vorstellung gegessen und getrunken, was ich den Künstlern gegenüber absolut unhöflich finde. Langsam gewöhne ich mich aber daran, dass Musicalveranstaltungen in solch eher provinzieller Umgebung eine Art Volksfest-/Picknickcharakter haben. In Tecklenburg ist es ja noch extremer.
Nun aber zu dem, was auf der Bühne stattfand:
Die Künstler, die bei der XII. Sommernacht des Musicals auftraten, sind allesamt Meister ihres Fachs. Jeder gab in seiner „Paraderolle“ einige Songs zum Besten. Uwe Kröger zum Beispiel sang natürlich den Tod, überzeugte aber auch als Dr. Frank N. Furter mit einer sexy Rocky Horror Picture Show-Einlage.
Patrick Stanke begeisterte und erhielt standing ovations mit seiner Interpretation von Gethsemane aus Jesus Christ Superstar. Es war bewegend. Er wusste aber auch wieder einmal die Massen zu bewegen und Stimmung in das Burgtheater zu bringen, zum Beispiel als er den Song von Lena Meyer-Landrut „Satellite“ performte. Dieser Mann hat unglaubliches Potential, und das nicht nur in seiner Stimme.
Seine Freundin, Sabrina Weckerlin, ist ebenfalls ein Stimmwunder und sang einige kraftvolle/gefühlvolle Balladen, zum Beispiel „Licht der Kerzen“ aus Marie Antoinette, rockte aber auch mit Serkan Kaya die Bühne in „Hammer to Fall“ aus We will rock you.
Lucy Scherer hat eine wunderschöne Stimme, die man im ersten Moment diesem kleinen Persönchen gar nicht zutraut. Ich wundere mich immer wieder wie viel Power in dieser kleinen Lady steckt. Ihr Highlight war eindeutig ein Chanson – „Je suis malade“, welches sie nicht nur sang, sondern auf der Bühne durchlebte.
Ana Milva Gomes fiel mir besonders in ihren Duetten mit Patrick Stanke und Uwe Kröger auf sowie in „Einen Schritt zu weit“ aus Aida, welches sie mit Sabrina Weckerlin und wiederum Patrick Stanke sang. Wow!
Serkan Kaya ist ebenfalls ein Allrounder und kam leise wie laut gleichermaßen gut zu Geltung, zusätzlich hat er sehr witzig durch den Abend geführt.
Mein persönlicher Höhepunkt der Veranstaltung war eine kleine komödiantische Einlage zwischen Serkan Kaya und Uwe Kröger, in der Serkan Kaya als Elisabeth verkleidet „Ich gehör nur mir“ singt und Uwe Kröger in das Lied mit einstimmt. Als Schlusspunkt der Szene wird Uwe Kröger dann von Serkan Kaya geküsst (statt umgekehrt – der Tod küsst ja eigentlich Elisabeth).
Schön ist in Dinslaken, dass man sehr nah an der Bühne sitzt und die Darsteller diese auch oft verlassen und ins Publikum gehen.
Fotografieren ist erlaubt, auch während der Vorstellung – eine Rarität. Mich hat es ein bisschen abgelenkt, da ich selbst auch versucht habe einige gute Fotos zu machen. Es ist halt eine Verlockung, da es sonst bei anderen Veranstaltungen ja immer verboten ist.
Das Orchester war sehr laut, fast wie bei einem Rockkonzert. Die Technik hatte einige Probleme, vor allem im ersten Teil des Konzerts.
Doch alle (kleinen) Mängel wurden durch die außergewöhnlichen Künstler wettgemacht, so dass die Sommernacht des Musicals in Dinslaken, mit geringen Abstrichen in der Bewertung, eine empfehlenswerte Veranstaltung ist.
Die nächste Sommernacht findet übrigens am 09.07.2011 statt (mit Serkan Kaya und Ethan Freeman).
