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es war aufregend
Marie Antoinette 30.01.2009
Eine Europapremiere stand auf dem Programm. „Marie Antoinette“ von Sylvester Levay und Dr. Michael Kunze sollte in Bremen zu seiner Uraufführung gelangen. An einer Premiere teilzunehmen, mit vielen geladenen Gästen, darunter einige Prominente, mit viel Presse und Fernsehen war aufregend.
Ich saß in Reihe 2 im Musicaltheater Bremen, hinter Stefan Waggershausen, neben Pia Douwes und Marc Clear.
Das Stück begann mit einem diabolisch auftretenden Ethan Freeman als Cagliostro, der quasi als Erzähler durch die gesamte Handlung führt. Stimmlich und schauspielerisch meisterte er diesen Part perfekt. Genauso wie Roberta Valentini als Marie Antoinette, die im Verlauf des Stücks vom genusssüchtigen „Weibchen“ zur gestandenen, selbstbewussten Frau reift. Eine stimmliche Meisterleistung lieferte auch Sabrina Weckerlin ab, als Mädchen aus dem Volk, Magrid Arnaud, welche eine Art Gegenpart zu Marie Antoinette spielt. Ihre Stimme hat sehr viel Kraft und Timbre. Ebenfalls erwähnenswert sind Maike Switzer als Schwester Agnes und Thomas Christ als herrlich fieser, windiger, machthungriger Herzog von Orleans. Sie verliehen ihren (Neben-)Rollen sehr viel Ausdruck. Ein wenig blass blieben Patrick Stanke, als Graf Axel von Fersen sowie Tim Reichwein als Ludwig XVI., was jedoch an der Beschränktheit ihrer Rollen lag. Sie stellten ihre Charaktere aber absolut glaubhaft dar, Patrick Stanke den schmachtenden-leidenden Liebhaber Marie Antoinettes, Tim Reichwein den oft herrlich dumm und hilflos dreinblickenden König.
Die Musik von Sylvester Levay ist wunderbar eingängig, einige Lieder haben Ohrwurmcharakter. Mir gefiel am Besten der Song „Wenn“ (Maskenspiel).
Die gesamte Struktur des Stückes trägt deutlich die Handschrift Dr. Michael Kunzes, der es wie kein anderer versteht, einen Stoff dramaturgisch so umzusetzen, dass er alles enthält: Spannung, Dramatik, Witz, Ironie und Tiefgang.
Das Einzige, was mir an diesem Abend negativ auffiel, war die mangelnde Euphorie der Zuschauer beim Schlussapplaus. Zwar gab es Standing Ovations, die Künstler wurden einige Male auf die Bühne gebeten, jedoch schien mir der Funke bei vielen nicht übergesprungen zu sein, so dass ich den Jubel für eine Premiere, und eine derartig großartige Leistung, als zu gering empfand.
Aber, wie schon erwähnt, ich war nie zuvor bei einer Premiere….
Ich wünsche dem Musicaltheater Bremen, welches mit dieser Aufführung ein großes Wagnis eingegangen ist, viele, viele Zuschauer.
Mein Kompliment auch an die Verantwortlichen für die Kostüme. Es war eine wahre Pracht.
Bitte, fahrt alle hin nach Bremen – es lohnt sich!!!
