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Rudolf

Good night, sweet prince

Rudolf 24.01.2010

Eine Derniere ist immer etwas ganz Besonderes. So machte ich mich erneut auf
nach Wien – bei Schnee, Eis und klirrender Kälte – um meinem Lieblingsmusical „Rudolf – Affaire Mayerling“ und einer begeisternden Cast „Lebe wohl“ zu sagen.
Warum das Musical gerade in Wien nicht funktioniert hat, vermag ich nicht zu sagen, denn das Stück ist dramaturgisch hervorragend (nach den vorgenommenen Änderungen), musikalisch hochwertig und die Cast war bis in die Nebenrollen absolut hochkarätig. Manche sagen, dass die Vereinigten Bühnen Wien (VBW) ihren Fokus bezüglich der Promotion des Stücks zu sehr auf Uwe Kröger gelegt haben, denn auf den eigentlichen Hauptdarsteller Drew Sarich. Ob dem so war, kann ich aus Deutschland heraus nicht sagen, jedoch wer Drew Sarich einmal live erlebt hat, braucht keine weitere Promotion für seine Person bzw. das Stück Rudolf, denn eine so überzeugende Leistung, wie er sie Abend für Abend erbracht hat, habe ich selten gesehen. Sie spricht für sich. Da ist es unerheblich, ob er zusätzlich in Talkshows auftritt und die Werbetrommel rührt. Eigentlich hätte in dem Fall die Mundpropaganda genügen müssen…
Was ist nur mit den Wienern los? Aber die haben ja auch schon Mozart zu Lebzeiten verachtet und sein Genie erst viel, viel später erkannt.
Schade, dass Rudolf auch in Budapest im Moment nicht mehr aufgeführt wird. Es wurde dort zwar in einer anderen Fassung gezeigt, war dafür aber sehr erfolgreich. Allerdings denkt das Budapester Operettenhaus auch in anderen finanziellen Dimensionen als es die VBW tun.
Jetzt aber zum Stück. Es war eine großartige Vorstellung sämtlicher Erstbesetzungen, gespickt mit vielen Gags seitens der Darsteller, die dem ernsten Stoff des Musicals zuweilen komödiantische Momente verliehen. Mir persönlich nahmen die „Einlagen“ zeitweise etwas die Konzentration, so auch das permanente Geschrei der Zuschauer nach jeder winzigen Szene. Die Darsteller, absolute Profis, ließen sich weder durch die Abwandlungen des Stücks, die Sie ja größtenteils unvorbereitet trafen, die große, manchmal unangebrachte Geräuschkulisse des Publikums, noch durch eine größere technische Panne (ein Versagen der Drehbühne in einer Szene) aus der Ruhe bringen.
Am schönsten improvisiert war eine Sequenz beim Hofball, in der Prinz Edward der Gräfin Larisch ungeniert das „nasse“ Dekollete abtupfte, als Kronprinz Rudolf eine Niesattacke in ihre Richtung schickte.
Witzig war ebenso Graf Taaffes Tango zu Beginn des 2. Aktes, in dem Uwe Kröger sich zum Tanzen nicht nur den Frack, sondern auch die Fliege abnehmen ließ, um sich anschließend das Hemd aufzureißen. Sehr zur Freude seines im Publikum zahlreich vertretenen Fanclubs. Auch seinem Lebensgefährten, welcher ebenfalls anwesend war, mag es gefallen haben. Mir natürlich auch…
In vielen Internetforen habe ich Kritisches über Uwe Krögers Leistung als Graf Taaffe gelesen. Ich persönlich habe Rudolf einige Male gesehen und jedesmal war Uwe Kröger grandios (und traf seine Töne). Er ist ein „Vollblut-Musical Darsteller“. Ich möchte ihn auf den Musicalbühnen auch zukünftig nicht missen.
Als absolut herausragend habe ich jedesmal Drew Sarich empfunden. Er war für mich die ideale Besetzung des Kronprinzen Rudolf. Er hat über die Spielzeit Großartiges geleistet und sich die nun folgende Auszeit redlich verdient.
Für Lisa Antoni war es die 1. Hauptrolle ihrer Karriere, und ich wünsche ihr derer noch viele. Auch Sie war schauspielerisch absolut glaubhaft als Mary und gesanglich ohne Zweifel in der 1. Liga.
Genau wie Wietske van Tongeren und Carin Filipcic, die in Wien ohnehin seit „Romeo und Julia“ bzw. „Rebecca“ Publikumslieblinge sind.
Ich danke Kathrin Zechner für den Mut dieses Stück zur Aufführung zu bringen. Jede Vorstellung war ein absoluter Genuss! Ich hoffe auf ein weiteres dramatisches Musical nach der Spielzeit von „Ich war noch niemals in New York“. Soll auf diese Weise die Kasse bei den VBW wieder klingeln, so dass man anschließend wieder in die „hohe Kunst“ investieren kann.
Good night, sweet prince and flights of angels sing thee to thy rest!

 

Servus, Rudolf!

Rudolf 25.11.2009

Es gäbe noch so Einiges zu sagen über das Musical „Rudolf“, da ich aber in den vorangestellten Berichten meiner zwei vorherigen Besuche schon vieles erwähnt habe, fasse ich mich kurz und beschränke mich auf „Neuigkeiten“.
Davon ausgenommen ist nur mein wiederholter (und letztmaliger) Hinweis auf die unvergleichliche Ästhetik dieses Stücks, welche durch das wunderbare Zusammenspiel der Farben von Beleuchtung, Kostümen und Bühnenbild erzeugt wird. Alles ergibt eine wundervolle, harmonische Einheit, vergleichbar mit der Farbkomposition eines Gemäldes eines großen Meisters.
Neu waren an diesem Abend für mich zwei Darsteller, nämlich Claudia Wauschke als Gräfin Larisch und Max Niemeyer als Kaiser Wilhelm. Möglicherweise hege ich Vorurteile, aber meiner Meinung nach, kamen beide nicht an die Leistung von Carin Filipcic und Martin Pasching, die normalerweise diese Rollen verkörpern, heran. Claudia Wauschke agierte äußerst übertrieben. Ihr Spiel und Ihr Gesang waren nicht von der Leichtigkeit einer Carin Filipcic. Max Niemeyer hingegen hat nicht „überreagiert“, sondern war – im Gegenteil – zu leise und „sanft“ für den sonst von Martin Pasching sehr laut und forsch dargestellten Kaiser Wilhelm.
Bei Drew Sarich gab es einen kleinen Texthänger, aber trotzdem war er auch diesmal wieder überragend und spielte seine Rolle mit solcher Hingabe, dass er im Zorn mal Claus Dam, den Kaiser Franz-Josef und mal Wietske van Tongeren, seine Frau Stephanie unsanft auf der Bühne herumstieß. Für mich ein Zeichen, wie sehr er diese Rolle LEBT.
Meine Sitznachbarn beeindruckte jedoch mehr seine Spuckweite, die zugegebenermaßen enorm ist, aber, ich denke, es geht wohl nicht anders.
Leider verabschiedet sich das Stück nun so langsam aus Wien, wo es ja nur noch bis zum 24.01.2010 gespielt wird.
Schade auch, dass Lisa Antoni und Uwe Kröger, die Ihre Rollen der Mary Vetsera und des Grafen Taaffe ebenfalls bravourös gespielt haben, dann zunächst nicht mehr zu sehen sind, aber hoffentlich bald in einem neuen Engagement in Österreich oder Deutschland wieder auftauchen.
Vielen Dank an Frank Wildhorn und Jack Murphy für dieses wunderbare Epos (österreichischer Geschichte), welches, meiner Meinung nach, auch nach London oder New York gehört. Jedoch ist es fraglich, ob es an anderer Stelle (außer Budapest) zur Aufführung gelangen wird, wenn es schon im Mutterland Österreich wirtschaftlich kein Erfolg war. Vielleicht wäre Japan ein Markt, wo schon das geschichtlich verwandte Musical „Elisabeth“ große Besucherströme anzog?
Warum heißt es übrigens in der deutschen Übersetzung von Nina Jäger im Lied „Du willst nicht hören“ bei Rudolf: „Ich denke oft daran WIE ich noch klein war“…Sagt man nicht: „…ALS ich noch klein war“? Kronprinz Rudolf war ein äußerst gebildeter Mensch, ein solcher grammatikalischer Fehler wäre ihm nicht unterlaufen. Oder irre ich mich in meiner Ansicht?
Servus, Rudolf!




 

Affaire Mayerling - die Zweite...

Rudolf 19.06.2009

Am 19.06.2009, dem Tag, an dem die Aufnahmen im Raimundtheater für die bevorstehende Rudolf-DVD gemacht wurden, besuchte ich erneut die Vorstellung. Von den zahlreichen Änderungen, die am Stück vorgenommen worden waren, hatte ich bereits gelesen. Ich war skeptisch diesbezüglich, denn das Stück hatte mir beim 1. Ansehen in seiner Urfassung sehr gut gefallen. Wie würde es sich nun darstellen?
Entgegen meiner Vorbehalte fand ich ein strafferes, frisches Stück – ohne Längen – vor. Alle Änderungen szenisch sowie musikalisch hatten Hand und Fuß und brachten das Stück erheblich voran.
Leider muss ich die im 1. Teil des 1. Aktes sehr schlechte Tonqualität kritisieren. Die Darsteller waren sowohl beim Sprechen als auch beim Gesang nur schwer zu verstehen. Glücklicherweise bekam man dieses im Verlauf der Vorstellung in den Griff.
Besonders gut gefiel mir an diesem Abend, Klaus Dam als Kaiser Franz Josef. Ich hatte ihn bei meinem 1. Besuch noch als „blass“ empfunden, doch diesmal war er das genaue Gegenteil. Besonders hervorheben möchte ich außerdem Uwe Kröger als Graf Eduard Taaffe. Er sang als ginge es um „Leben und Tod“. Mit seiner Hingabe an die Rolle spielte er alle anderen Darsteller an die Wand.
Im Vergleich zu meinem 1. Besuch gefiel mir auch Wietske van Tongeren als Kronprinzessin Stephanie viel besser. Sie spielte ihre Rolle nach wie vor mit sehr viel Kraft, nahm sich jedoch im Gesang ein klein wenig zurück, was aber keineswegs dazu führte, dass Sie an Ausdrucksstärke verlor – im Gegenteil. Es verlieh ihr mehr Glaubwürdigkeit.
Lisa Antoni und Carin Filipcic als Mary Vetsera und Gräfin Marie Larisch waren an diesem Abend, wie schon beim 1. Besuch, stimmgewaltig, mitreißend - ohne Fehl und Tadel. Nur bei Drew Sarich, den ich absolut genial finde, muss ich sagen, dass er diesmal etwas hinter seinen Möglichkeiten zurückblieb. Oder waren es die anderen Darsteller, die so sehr „aufdrehten“, siehe Uwe Kröger, dass Drew neben ihnen etwas verblasste? Trotz Seiner schwächeren Leistung an diesem Abend bleibt er für mich der absolute Star der Inszenierung.
Zum Stichwort Inszenierung möchte ich noch einmal betonen, dass das „neue Stück“ wirklich klasse ist. Man hat ein paar Dinge weggelassen, so dass es gar nicht mehr schwerfällig ist, sondern flott zur Sache kommt. Es ist musikalisch neu arrangiert, so dass die eine oder andere Reprise das Stück noch mehr abrundet. Ferner hat man einzelne Szenen, vor allem die zwischen den Protagonisten Mary und Rudolf, so neu gestaltet, dass sie beeindruckender sind und mehr im Gedächtnis haften bleiben.
Mein Kompliment an die Vereinigten Bühnen Wien für die neue Fassung von Rudolf. Ich hätte große Lust mir das Musical noch ein drittes Mal anzusehen.
Leider liest man, dass Auslastung des Stücks stark hinter den Erwartungen zurückbleibt. Daher vermute ich und bedaure es, dass eine lange Laufzeit des Stückes wohl eher nicht vorgesehen ist.
Daher mein Appell: Fahren Sie nach Wien – es ist ein tolle Stadt mit ganz besonderem Flair, genießen Sie das Musical Rudolf, welches ein bewegendes Stück Zeitgeschichte, bunt und kurzweilig, jedoch mit viel Tiefgang darstellt.
Ein solches Musical „spielt“ in einer anderen Liga als Stücke wie „Mamma Mia“, „Ich war noch niemals in New York“ oder „Ich will Spaß“, bei denen um bekannte Lieder bekannter Künstler einfach eine banale Geschichte „gestrickt“ wird, um den Zuschauer zu unterhalten.
Rudolf ist diesbezüglich ganz anders, absolut sehenswert und BERÜHRT sehr viel länger als nur für einen Abend!!!





 

Wien ist ein gutes Pflaster

Rudolf 03.03.2009

Wien ist immer ein gutes „Pflaster“ für Musical Produktionen, also machte ich mich auf in die Landeshauptstadt Österreichs, um das Musical um den österreichischen Thronfolger, Kronprinz Rudolf, wenige Tage nach der Premiere anzuschauen.
Ich hatte das Musical bereits 2008 im Budapester Operettenhaus gesehen, fand aber in Wien ein etwas verändertes und natürlich komplett neu inszeniertes Stück vor, welches mir sehr, sehr gut gefallen hat!
Der „Stoff“ beinhaltet alles, was ein opulentes Drama Musical braucht.
Die Liebesgeschichte Rudolfs und Marys, das politische Aufbegehren Rudolfs gegen seinen Vater Franz Joseph und die „angestaubte“ Monarchie sowie die Konfrontation Rudolfs mit seinem Widersacher, dem österreichischen Ministerpräsidenten, Graf Taaffe (brilliant in dieser Rolle: Uwe Kröger).
Der erste Teil der Wiener Inszenierung enthält viel Information, daher auch viele Spielszenen. Die Drehbühne ist immer in Bewegung, so natürlich auch die Darsteller. Mir persönlich war in dieser Phase des Stücks zu viel Bewegung auf der Bühne. Der 1. Akt wirkt etwas unruhig.
Die Kostüme sind bunt und schön anzuschauen. Das Bühnenbild ist einfach, jedoch effektvoll. Die Inszenierung lebt von einem tollen Lichtdesign, welches sowohl im 1., besonders aber im 2. Akt wunderschöne Bilder erzeugt.
Die Musik von Frank Wildhorn „schleppt“ sich an einigen Stellen so dahin, an anderen Punkten des Stücks ist sie jedoch absolut grandios – wie ein Feuerwerk. So zum Beispiel als Rudolf zur Eröffnung der Industriellen Ausstellung in Wien eine flammende, reformerische Rede hält – „Der Weg in die Zukunft“, Ebenso furios ist die Musik in der Szene am Bahnhof, als Mary Wien verlassen soll, es aber nicht tut und dort auf Rudolf trifft – „Du bist meine Welt“. Diese beiden Songs sind, meiner Meinung nach, „Weltklasse“, auch schon in ihrer ungarischen Version. Frank Wildhorn versteht es durch seine Musik ein Stück zu einem Höhepunkt zu „treiben“, bis dahin braucht es natürlich etwas Zeit.
Der 2. Teil des Musicals ist etwas zu kurz geraten - im Vergleich zum 1. Akt. Er führt den Zuschauer jedoch prägnant und ohne Umschweife hin zum Finale, dem Tod Rudolfs und Marys in Mayerling, welcher nur durch das Ausblasen einer Kerze und zweier Schüsse angedeutet, aber nicht gezeigt wird. So bleiben der Phantasie des Zuschauers alle Möglichkeiten sich diesen Schritt Rudolfs und Marys auszumalen. Genial!
Eine besonders originelle Szene des Stücks ist eine Sequenz beim Eislaufen, wo die Darsteller mit Hilfe von Inline-Skates die Stimmung des Eislaufens erzeugen.
Absolut unbeschreiblich in seiner Rolle als Kronprinz Rudolf ist der Amerikaner Drew Sarich. Er hat eine wunderbar sanfte Stimme und eine wahnsinnig faszinierende Mimik. Noch nie habe ich bei einem Darsteller so viele verschiedene, absolut authentische Gesichtsausdrücke gesehen. Es fällt einem nicht schwer - dank Drew Sarich - mit Rudolf in jeder Minute des Stücks „mitzuleiden“, denn Drew versteht es perfekt alle seine Stimmungen ins Publikum zu übertragen. Wow!
Auch Lisa Antoni als Mary überzeugte mich auf voller Linie. Stimmlich und schauspielerisch gibt sie eine selbstbewusst-kämpferische sowie liebende und natürlich leidende Mary.
Leider ist die Rolle Graf Taaffes, also Uwe Krögers, nicht so groß wie in Ungarn. Auch fehlt der Wiener Version ein wunderschönes Duett Graf Taaffes mit der Gräfin Larisch (Carin Filipcic), welches in der Budapester Inszenierung noch vorhanden war. Selbiges hätte den Rollen des Grafen Taaffe und der Marie Larisch gut zu Gesicht gestanden und noch mehr Gewicht verliehen. Carin Filipcic meistert ihren Part mit Bravour und ist trotz Nebenrolle ein Publikumsliebling in Wien. Auch in anderen Nebenrollen ist das Musical „Rudolf“ mit Robert D. Marx und Sasha di Capri, um nur zwei Nebendarsteller zu nennen, hochkarätig besetzt.
Lediglich Klaus Dam als Kaiser Franz Joseph hat mich nicht ganz überzeugt. Auch gefiel mir das zu übertriebene Spiel Wietske van Tongerens als Prinzessin Stephanie nicht. Zwar hat sie allen Grund zur Rage, schließlich belügt und betrügt sie ihr Gatte Rudolf, jedoch hätte Wietske eine Nuance weniger Aufregung (und weniger Lautstärke beim Gesang) besser zu Gesicht gestanden.
Alles in allem ist „Rudolf“ eine großartige Produktion der Vereinigten Bühnen Wiens.
Hoffentlich kann sie an den Erfolg von „Elisabeth“ anknüpfen.





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