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ganz großes Kino
Sunset Boulevard Bad Hersfeld 04.07.2011
Ich kenne viele Freilichtbühnen in Deutschland, doch keine Bühne ist so stimmungsvoll wie die der Festspiele in Bad Hersfeld. Die Stiftsruine ist ein magischer Ort. Vielleicht, weil Martin Luther dort gepredigt hat…
Die Aufführungen in Bad Hersfeld beginnen um 21 Uhr, so dass man das Licht der untergehenden Sonne in das Spiel auf der Bühne miteinbeziehen kann.
Sunset Boulevard ist ein Stück großer Gefühle, großer Gesten, aufgeführt in einer großen Kulisse. Um es salopp zu formulieren: Sunset Boulevard ist ganz großes Kino…!
Es gab nur ein ganz rudimentäres Bühnenbild in Bad Hersfeld, bestehend aus einem Schreibtisch, einer Treppe (die durfte für Norma Desmonds Auftritte nicht fehlen) und einem Baugerüst, welches als Schauplatz verschiedener Orte diente. So lenkte absolut nichts von den hervorragenden Schauspielern ab.
Über allen stand Helen Schneider. Sie spielte eine überragende Norma Desmond. Sechzehn Jahre, nachdem sie diese Rolle in der deutschen Erstaufführung des Stücks in Niedernhausen „erschaffen“ hatte, kehrte sie nun zu ihren Wurzeln zurück. Sie gab eine leidenschaftliche, schräge, verzweifelte, einsame, schrille, verlorene, überdrehte Norma Desmond. An der Anzahl der Adjektive, die ihr Schauspiel beschreiben sollen, erkennt man wie facettenreich ihre Darstellung gewesen sein muss. Sie war von der ersten bis zu ihrer letzten Szene auf der Bühne dominant.
Rasmus Borkowski war an ihrer Seite natürlich nicht von ihrem Charisma. Dies stünde ihm in der Rolle eines Joe Gillis nicht zu. Er war süß und verführerisch. Für die verzweifelte Lage eines Joe Gillis fehlte ihm jedoch ein wenig der Zynismus, mit dem andere Darsteller diese Rolle gewöhnlich schmücken. Ich fand ihn eher brav und knabenhaft, aber auch so kann man die Rolle ja auslegen. Rasmus Borkowski ist ein ganz Großer im Musicalbusiness. Man denke nur an seine Darstellungen in „Romeo & Julia“, „Die drei Musketiere“, „Mozart“ oder „Frühlingserwachen“.
Bis in die Nebenrollen war das Stück sehr prominent besetzt. Mir fallen da Claus Dam oder Oliver Mülich ein, die sich nicht zu schade waren während der Vorstellung in verschiedenste kleine Rollen zu schlüpfen, obwohl auch sie das Format zu Hauptdarstellern haben.
Besonders schön waren natürlich Norma Desmonds extravaganten Roben. Umso ungewöhnlicher und dadurch sehr gelungen war es, dass Norma Desmond ihren letzten großen Auftritt – dem Wahnsinn nahe – nur in einem schlichten schwarzen Seidennachthemd, dem Perückenstrumpf auf dem Kopf, barfuß spielt.
In der Abschlussszene des Stücks gab Helen Schneider noch einmal alles. Bravo!
Das Theater war fast ausverkauft, das Dach ausnahmsweise wegen des schönen Wetters offen, jedoch gab es für die Darsteller nur vereinzelt „Standing Ovations“. Vielleicht ist das dem Alter des Publikums geschuldet, denn es waren überwiegend ältere Menschen im Zuschauerraum.
Für mich war es eine klasse Leistung aller Beteiligten. Und von mir gab es natürlich „Standing Ovations“.
Auch im nächsten Jahr werde ich wieder In Bad Hersfeld sein…
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es war ein Genuss
Sunset Boulevard Magdeburg 21.11.2010
Es war ein Genuss! Genau so hatte ich mir eine Neuauflage des Musicals „Sunset Boulevard“ vorgestellt. Lange genug hat es ja gedauert, dass endlich wieder einmal jemand nach diesem opulenten Stoff greift. Die letzte deutschsprachige Inszenierung gab es 1995 in Niederhausen mit einem überragenden (noch sehr jungen) Uwe Kröger und einer charismatischen Helen Schneider in den Hauptrollen. Doch Magdeburg braucht sich keinesfalls zu verstecken bezüglich seiner Inszenierung. Im Gegenteil. Im Magdeburger Opernhaus schöpfte man einmal mehr aus den Vollen. Das Ensemble war riesig, ebenso das Orchester. Die für das Stück neuverpflichteten Hauptdarsteller: Marianne Larsen – Norma Desmond, Nicolaj Alexander Brucker – Joe Gillis, Milica Jovanovic – Betty Schaefer und Norbert Lamla – Max von Mayerling waren allesamt großartig. Norma Desmond gespielt (besser gesagt „gelebt“) von Marianne Larsen war einfach nur fantastisch. Eine richtige Diva mit großen Gesten und natürlich dem ausdrucksstarken Minenspiel eines Stummfilmstars. Sie verkörperte die Rolle perfekt – bis hin zur Abschlussszene, wo sie langsam dem Wahnsinn verfällt, nachdem sie Joe aus Eifersucht getötet hat. Zu Recht wurde sie vom Publikum frenetisch gefeiert, und das nicht nur wegen ihrer grandiosen schauspielerischen Leistung, auch gesanglich war sie erstklassig – klar und kraftvoll.
Gefeiert wurde auch Nicolaj Alexander Brucker, der zunächst etwas unscheinbar wirkte, als er die Bühne betrat, der aber eine perfekte Darstellung des zynischen, erfolglosen, doch stets lässigen Autors Joe Gillis ablieferte. Ich war tief beeindruckt. Er ist jung und schön. Er spielte seine Rolle mit Witz und Ironie, immer mit einer gewissen Eloquenz. Er hat außerdem eine wunderbare Stimme. Er war in jeder Szene des Stücks absolut authentisch. Er hat seine Stimmungen wunderbar ins Publikum transportiert. Zunächst seine anfängliche Verzweiflung als erfolgloser Autor, dann sein Zögern als Norma sich ihm nähert, weiterhin sein plötzlicher Entschluss die Gelegenheit beim Schopf zu packen und endlich reich zu leben sowie seine zum Schluss aufkommende Liebe für Betty, die seine zuvor getroffene Entscheidung bei Norma zu bleiben und von ihrem Geld zu leben wieder gehörig ins Wanken bringt. Nicolaj Alexander Brucker war an diesem Abend sehr, sehr gut – eine Traumbesetzung für die Rolle des Joe Gillis. Ich traue ihm eine steile Karriere zu. Er wird einmal ein ganz „Großer“.
Norbert Lamla als Max von Mayerling und Milica Jovanovic als Betty Schaefer haben die naturgemäß kleineren Hauptrollen, machten aber ebenfalls Großes daraus. Auch sie beeindruckten mich sehr. Sie waren stimmlich und schauspielerisch ebenfalls erstklassig.
Das große Ensemble des Magdeburger Opernhauses rundete dann die Szenen, in denen viele Menschen auf der Bühne gebraucht wurden, etwa am Set im Filmstudio, gekonnt ab. Äußerst wandlungsfähig schlüpften sie in viele verschiedenen Rollen und prägten mit ihrer Präsenz das Stück nachhaltig.
Die Kostüme waren wieder einmal (wie schon bei „Evita“ im Sommer) wunderschön anzuschauen. So auch das Hauptbühnenbild, bestehend aus einer hochkant stehenden übergroßen Filmrolle auf einer Drehbühne. Zur einen Seite zeigte es Joes Zimmer über der Garage, auf der anderen Seite Normas Wohnzimmer mit großer (Show-)Treppe, die oft wirkungsvoll zum Einsatz kam. Das Bühnenbild war kreativ und effektiv. Die vielen verschiedenen Szenenwechsel, die auch oft mit Ortswechseln verbunden waren, wurden gekonnt absolviert.
Das Orchester im Orchestergraben war riesengroß. So etwas hatte ich noch nicht gesehen. Der Sound war entsprechend (satt).
Es war alles in allem eine äußerst gelungene, ja hervorragende Vorstellung eines tollen Musicals. Es war eine wahre Freude bei dieser Aufführung dabei gewesen zu sein. Ich kann die Qualität der Musicalsparte des Magdeburger Opernhauses nur empfehlen, zumal noch weitere tolle Stücke in diesem Jahr auf dem Programm stehen.
Und übrigens, eine Karte in der 1. Reihe in der Mitte hat mich 34 EUR gekostet. Das ist ein unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis. Mein Kompliment an alle, die bei dieser Produktion mitwirken. Weiter so! Ich freue mich schon auf die Magdeburger Musicaltage an Ostern, wo sicher auch Beeindruckendes geboten wird…




