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Tarzan

es begann furios

Tarzan 02.03.2010

Es begann furios – mit einem lauten Knall und Pyrotechnik. Beides untermalte den Schiffbruch des Segelbootes, auf dem sich Lord und Lady Greystoke mit ihrem neugeborenen Sohn befanden. Sie stranden, werden dann von einem Leoparden ermordet, ihr Kind, später Tarzan genannt, überlebt und wird fortan von Gorillas im Dschungel aufgezogen.
Das Stück lebt sehr von seinen Effekten. Damit meine ich zum einen die spektakulären Szenen, in denen sich die Affen oder Tarzan an Lianen durch das ganze Theater schwingen, zum anderen die tollen Kostüme und Bühnenbilder, inklusive eines genialen Lichtdesigns, die während des Stücks den Zuschauer „verzaubern“. Aber das ist es nicht allein, was Tarzans Erfolg ausmacht. Es ist einfach eine gute Geschichte, die da erzählt wird: rührselig, doch mit Tiefgang, dazu witzig. Es werden nicht nur große Gefühle transportiert, sondern es gibt auch viel Raum für komödiantisches Talent seitens der Darsteller. Die Gunst der Stunde nutzte an diesem Abend – Ina Trabesinger als Jane, die ihre Rolle in Perfektion darbot. In einer früheren Vorstellung hatte ich bereits Melanie Ortner als Jane sehen können. Auch sie spielte ihre Rolle damals sehr, sehr gut.
Als Tarzan flog diesmal, nachdem ich bereits Philipp Hägelis Darstellung sehr geschätzt hatte, ein mindestens ebenso guter Affenmensch durch die Lüfte: der Brite Simon Thomas. Er hatte einen leichten Akzent, was jedoch nicht störte und hatte sich im Dschungel gut „gestählt“, denn rein figürlich machte er weit mehr her als manch anderer Tarzan-Darsteller. Anton Zetterholm finde ich ein wenig zu knochig und zerbrechlich für das Leben im Dschungel. Bei Simon Thomas weiß man gleich, warum sich Jane auf den ersten Blick in ihn verliebt. Ihn anzusehen war eine Augenweide, ihn anzuhören ein Ohrenschmaus. Das einzige Manko an ihm ist, dass seine Stimme sehr wie die von Anton Zetterholm klingt. Das ist natürlich nicht schlimm, denn Anton Zetterholm hat eine wunderschöne Stimme, jedoch hätte ich mir für Simon Thomas gewünscht, dass er einzigartig, ja unverwechselbar klingt.
Das ganze Affenensemble von Tarzan ist stark! Sie sind ständig in Bewegung, und das in – für Menschen – ungewöhnlicher Haltung, denn Sie sind ja als Gorillas unterwegs. Meine Hochachtung für das, was da vom Ensemble „sportlich“ Abend für Abend geleistet wird. Sie singen, tanzen, hüpfen, springen, rollen, krabbeln, hängen, fliegen und klettern – das es eine wahre Freude ist. Aber auch das Menschenensemble ist glänzend besetzt. Von Jane und Tarzan schrieb ich ja bereits. Genauso überzeugt haben mich aber auch Professor Porter (Japeth Myers) und der Großwildjäger Clayton (Rudi Reschke). Und…last, but not least…der kleine Tarzan. An diesem Abend war es Lucas Beyer, der viel singen, sprechen und natürlich auch durch die Lüfte fliegen musste. Er tat dies mit Bravour.
Hinzu kommt bei diesem Musical eine wunderbar eingängige, teils rockige, teils balladenhafte Musik von Phil Collins, die die einzelnen Szenen perfekt untermalt.
Ich war von diesem Abend begeistert. Und mit mir viele andere. Das Theater war an einem Dienstagabend ausverkauft. Zu meiner Überraschung gab es sehr viele Jugendliche im Publikum, die das Stück und die Darsteller beim Schlussapplaus mit mir frenetisch feierten.
Hoffentlich wird sich Tarzan noch lange an Lianen durch die „Neue Flora“ oder ein anderes deutsches Theater schwingen. Denn, im Gegensatz zu all den seichten Musicals, wie z.B. „Ich war noch niemals in New York“, die uns Stage Entertainment im Moment anbietet, ist Tarzan ein Musical mit Tiefgang und einer ernsthaften Botschaft für den Zuschauer.
Bis bald in Hamburg!

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